Es lässt mir keine Ruhe. Ich will es wissen. Gestern habe ich Marie zu dem Typen geschickt. Er frisst ihr aus der Hand. OK. Eigentlich ist es umgekehrt. Ich meine, er macht was sie will. Finde heraus, was im zweiten Band steht, habe ich gesagt.

Du glaubst es nicht, hat sie mir nachher erzählt. Es tun sich Abgründe auf. Die heile Welt auf der Insel Lan Yu zerbricht. Lug und Trug, Verrat aller Orten. Wieso Lan Yu?, habe ich gefragt. Was hat Lan Yu mit dem Grimmelwald zu tun? Es hängt alles mit allem zusammen, hat sie kryptisch geantwortet. Und was ist mit mir?, wollte ich wissen? Komme ich vor? Nichts, kein Wort, nada. Das war ihre Antwort. Ich bin am Boden zerstört.

Meine Winterration hat sich verdoppelt. Aus zwei mach vier. Ein Mensch aus Österreich kauft gleich zwei Bücher. Hat wohl Zwillinge zuhause, hihi. Auch gut. Wenn ich im Winter verhungern muss, darf ich wenigstens noch einen extra Tag leben.

Eure Rebecca

Das mit dem Krautfanding habe ich total missverstanden. Der Typ hat sich halb tot gelacht, als ich ihn gefragt habe, was er mit den vielen Krautköpfen anfangen würde. Jetzt weiss ich, dass es um Geld geht. Die Menschen sind verrückt danach. Aber essen können sie es auch nicht. Münzen sind zu hart, Scheine haben keinen Nährwert. Sie wollen es haben, damit sie es gleich wieder hergeben. Sie tauschen es gegen etwas, was sie dann tatsächlich essen können. Ziemlich umständlich, wenn ihr mich fragt. Warum lassen sie sich nicht gleich etwas Essbares geben?

Wie auch immer, der Typ hat gesagt, dass sich im Staudamm Risse zeigen. Eine knappe Woche nach Fertigstellung ist der Damm schon porös. Das mit dem Staudamm soll ich mir so vorstellen, wie die Mauern des Geldspeichers vom alten Dagobert. Im Geldspeicher ist unendlich viel Zaster. Er aber sitzt außerhalb des Geldspeichers, sinnbildlich also am Fuß des Staudamms und die Penunze sickert kreuzerweise durch. Schon zwei Unterstützer wollen ein Buch. Das sind zwei Walnüsse für mich. Das reicht gerade mal als Mahlzeit für einen Tag. Wenn ich mir vorstelle, dass der Winter lang und hart wird, bekomme ich jetzt schon Schüttelfrost. Da braucht es schon noch ein kleines Erdbeben, damit die Risse größer werden und die Moneten fließen. Es muss ja kein Dammbruch sein.

Hoffen wir das Beste. In vierzig Tagen wissen wir mehr.

Eure Rebecca

P.S.: Angeblich schreibt der Typ am zweiten Band. Er will mir aber nicht sagen um was es geht. Das ist doch die Höhe. Ich hab's ihm in aller Deutlichkeit gesagt: Wenn ich nicht die Hauptperson bin, wird das Buch ein Flop. Das hat gesessen.

Jetzt hat der Typ tatsächlich ein Buch geschrieben. Über mich! Behauptet er jedenfalls. Würd mich echt interessieren, ob das stimmt. Aber ich les doch keine 280 Seiten. Und nur 11 davon sind Bilder. Crazy! Wenn ich die Hauptperson wäre, müsste mein Bild doch auf dem Einband sein. Und im Titel müsste mein Name vorkommen. "Rebecca und die Monster", so hätte ich mir das vorgestellt. Aber doch nicht "Urlaub auf der Vulkaninsel". Und so ein dunkler, langweiliger Vulkan auf dem Einband. Das ist doch kein Reiseführer, sondern ein Abenteuerroman für Kinder. Und dieses Bild von mir. Das soll auch im Buch sein. Zerzaust und zottelig. So sehe ich nicht aus. Mein Fell ist gepflegt und glänzt wie Seide. Wenn der Typ als Autor so schlecht ist wie als Illustrator, dann kann einem angst und bange werden. Meine Schwester Marie hat das Buch schon angefangen. Sie sagt, Julia, die Tochter des Försters wäre die Hauptperson. Dabei war sie an dem ganzen Schlamassel schuld. Nur weil ihre Eltern sie vergöttern, sind wir auf dieser Insel gelandet. Hätten wir uns nicht ins Raumschiff reingeschmuggelt, würde sie heute noch im Vulkan schmoren. Die Rettung haben sie doch einzig und allein mir zu verdanken.

Warum ich mir überhaupt die Mühe machen, das zu schreiben? Der Typ hat mir eine Walnuss für jedes verkaufte Buch versprochen. Ich schwanke noch zwischen der Angst, Übergewicht anzusetzen oder zu verhungern. Wenn es tatsächlich ein Renner ist, werde ich mit Nüssen überhäuft. Keine Angst, ich bin diszipliniert. Bald steht der Winter vor der Tür, da kann ich die überzähligen Nüsse im Wald verbuddeln. Aber was, wenn keiner das Buch kauft? Dann wird mein Fell stumpf und ich werde bis auf die Knochen abmagern. Das mag ich mir gar nicht vorstellen.

Vielleicht hilft ja die Krautfanding-Kampagne, die der Typ gestartet hat? Wobei ich gar kein Kraut mag, schon gar kein Sauerkraut. Oder habe ich ihn falsch verstanden? Er sagt, auf www.startnext.com/vulkaninsel kannst du das unterstützen. Du bekommst ein handsigniertes Exemplar des Buches. Na ja, für euch Menschen mag das ganz nett sein. Mir sind die Walnüsse lieber. Und für die Zweitauflage muss sich der Typ was einfallen lassen. Da will ich groß herausgestellt werden.

Eure Rebecca

P.S.: Meine Schwester hat das Buch jetzt ganz gelesen. Sie ist total begeistert. So spannend und aufregend, sagt sie. Typisch Marie, immer mächtig übertreiben.

Hi, ich bin Rebecca. Mit meiner Schwester Marie und unseren Eltern Max und Helena wohnen wir im Grimmelwald. Ab und zu schreibe ich hier, wenn es etwas Neues zu berichten gibt.

Aktuelles

Eine korrigierte Fassung von Urlaub auf der Vulkaninsel ist bei BoD als gedrucktes Buch und als e-book erschienen. Hier geht es zum BoD Shop.

Die Zeitschrift NaturFoto präsentiert das Bild Bunte Trauben als eines der Finalisten in der Lesergalerie im Mai 2021.

 

Bilder des Monats

Mai 2021: Frühling im Münchner Westpark